Drachenwand-Klettersteig am Mondsee: über den Ostgrat auf den Vorgipfel
Eigene Aufzeichnung, begangen am 7. September 2026 GPX herunterladen
400 Meter Stahlseil über dem Mondsee, dahinter ein Abstieg, der es in sich hat. Der Drachenwand-Klettersteig führt über den Ostgrat auf den Vorgipfel der Drachenwand — knapp 670 Höhenmeter auf gerade einmal 4,7 Kilometer Wegstrecke. Das ist kein Wanderweg mit ein paar Drahtseilen, sondern ein Klettersteig, für den Set, Gurt und Helm nicht verhandelbar sind.
Die Tour auf einen Blick
Die Runde misst 4,7 Kilometer und überwindet rund 670 Höhenmeter. Start und Ziel liegen bei 488 Metern in St. Lorenz, der höchste Punkt der Aufzeichnung bei 1.072 Metern am Ausstieg zum Vorgipfel. Für die gesamte Runde inklusive der Sicherungspausen im Steig sind knapp vier Stunden zu rechnen.
- Start und Ziel: Parkplatz bei der Kirche St. Lorenz am Mondsee (488 m)
- Charakter: Rundtour — Zustieg, Klettersteig, Abstieg auf anderem Weg
- Klettersteig: rund 600 Meter Länge, etwa 400 Höhenmeter, Schwierigkeit C mit Einzelstellen C/D
- Abstieg: Hirschsteig, alpiner Steig, rund zwei Stunden
- Ziel: Vorgipfel der Drachenwand — der Hauptgipfel liegt mit 1.176 Metern noch etwas höher
- Ausrüstung: Klettersteigset, Klettergurt, Helm, feste Bergschuhe
Bevor du losgehst
Zwei Dinge, die bei dieser Tour keine Formsache sind:
Der Abstieg ist der gefährlichere Teil. Das klingt widersinnig, weil oben das Stahlseil hängt und unten „nur“ ein Steig ist — genau darin liegt das Problem. Der Hirschsteig ist alpines Gelände, teils ausgesetzt, und man geht ihn müde, nach zwei Stunden Kletterei, mit dem Gefühl, das Schwierige schon hinter sich zu haben. Die Tourismusregion Mondsee weist ausdrücklich darauf hin, dass sich hier immer wieder tödliche Unfälle ereignen, meist durch Selbstüberschätzung und mangelnde Vorbereitung. Wer im Steig schon an die Grenze gekommen ist, hat den anstrengenderen Teil noch vor sich.
Nur bei trockenem Fels. Nasser Kalk wird glatt wie Seife, und der Ostgrat hat Passagen, in denen man sich das nicht wünscht. Bei angekündigten Gewittern gar nicht erst einsteigen: Am Stahlseil steht man exponiert, und die Runde lässt sich nicht eben schnell abkürzen.
Der Weg
Zustieg (rund 20 Minuten). Vom Parkplatz bei der Kirche geht es zunächst gemächlich Richtung Wandfuß. Der Weg ist beschildert und steigt erst gegen Ende spürbar an. Hier lohnt es sich, das Tempo herauszunehmen — der eigentliche Steig beginnt gleich mit ordentlicher Steilheit.
Klettersteig (rund zwei Stunden). Ab dem Einstieg auf etwa 650 Metern geht es fast durchgehend am Stahlseil aufwärts. Die Aufzeichnung zeigt es deutlich: Auf den knapp 2,5 Kilometern bis zum höchsten Punkt liegen fast 600 Höhenmeter — im Schnitt 23 Prozent Steigung, in den Steilstufen deutlich mehr. Die Schlüsselstellen liegen im Bereich C, eine Variante geht bis C/D. Zwischendurch gibt es immer wieder Standplätze zum Durchatmen, und man braucht sie auch: In unserer Aufzeichnung summieren sich die Standzeiten im Aufstieg auf gut eine Stunde.
Oben. Der Ausstieg liegt auf rund 1.070 Metern am Vorgipfel. Der Blick reicht über den gesamten Mondsee, bei klarer Sicht bis ins Höllengebirge und zum Schafberg. Wer will, geht von hier noch weiter zum Hauptgipfel auf 1.176 Metern.
Abstieg über den Hirschsteig (rund zwei Stunden). Der Rückweg führt nicht durch den Klettersteig zurück, sondern westlich über den Hirschsteig ins Tal. Alpiner Steig, streckenweise steil und ausgesetzt, mit losem Material an einigen Stellen. Konzentration bis zum Schluss — siehe oben.
Anfahrt, Parken, Einkehr
- Anfahrt: A1 Westautobahn, Abfahrt Mondsee, dann Richtung St. Lorenz
- Parken: gebührenpflichtiger Parkplatz bei der Kirche St. Lorenz mit rund 40 Plätzen, eigens für Klettersteiggeher angelegt. An schönen Sommerwochenenden früh dran sein
- Einkehr: Gasthof Drachenwand in St. Lorenz, wenige Minuten vom Ausgangspunkt
- Saison: Mai bis Ende Oktober, je nach Verhältnissen
Zu den Zahlen
Die Aufzeichnung stammt vom 7. September 2026, unterwegs von 10:11 bis 13:57 Uhr. Von den 3 Stunden 45 Minuten Gesamtzeit entfallen rund eineinviertel Stunden auf Standzeiten — beim Sichern, beim Warten auf Vordermänner, beim Verschnaufen. Reine Bewegungszeit: etwa zweieinhalb Stunden.
Ein Hinweis zur Streckenlänge: Das Aufzeichnungsgerät meldet 5,66 Kilometer. In der Felswand steht man aber lange still, und der Empfänger sammelt dabei Scheinbewegung — vor allem, wenn die Wand die Satellitensicht einschränkt. Nach Bereinigung dieses Rauschens bleiben 4,7 Kilometer, und das ist der Wert, der hier steht. Der GPX-Track zum Download ist entsprechend geglättet.
Angaben ohne Gewähr. Ein Klettersteig ist kein Wanderweg: Wer die Technik nicht beherrscht, geht ihn mit einem Bergführer oder gar nicht. Verhältnisse und Zustand der Sicherungen können sich jederzeit ändern — verlass dich nicht allein auf diesen Bericht.
Bilder zur Tour
Video zur Tour
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